Beobachtung

Bei der Methode der Beobachtungen unterscheidet man grundsätzlich zwischen der quantitativ orientierten, strukturierten Beobachtung und der qualitativ orientierten, unstrukturierten Beobachtung. Beiden Beobachtungsmethodiken ist gemeinsam, dass hierbei nicht befragt wird, sondern lediglich das Verhalten von Personen zum Zeitpunkt seines Geschehens vor dem Hintergrund einer Leitfrage/Problemstellung systematisch erfasst, festgehalten und gedeutet wird.

Diese Methoden liefern im höchsten Maße authentische Informationen zu tatsächlichen Abläufen. Die jeweiligen Hintergründe und Motive des Handelns bleiben allerdings im Dunkeln – es sei denn, die beobachteten Personen werden im Nachgang befragt.

 

Qualitativ orientierten/unstrukturierten Beobachtungsstudien liegen keinerlei inhaltliche Beobachtungsschemata zugrunde, sondern nur die jeweils im Vorfeld gemeinsam identifizierten Leitfragen. Wahrnehmung, Aufzeichnung und Auswertung sind von den Beobachtern dabei offen gestaltbar. Es werden nicht die zuvor erstellten Hypothesen/Annahmen überprüft, sondern entwickelt. Die Hypothesen stehen also nicht am Anfang der Beobachtung, sondern können während und am Ende der Beobachtung auf der Basis der durch die Beobachtung gewonnenen Informationen erstellt werden. Dies macht diese Methode zu einem hervorragenden „Partner“ für die Anwendung ergänzender Methoden. Für Fokusgruppen-Befragungen können die Ergebnisse von Beobachtungen zum Beispiel die entscheidenden Leitfragen liefern. Dagegen kann eine nachgeschaltete standardisierte Befragung der beobachteten Personen die Informationslücken über Motive und Hintergründe füllen und ein aussagekräftiges Gesamtbild entstehen lassen.

Unstrukturierte, qualitative Beobachtungen sichern die Flexibilität und Offenheit für die Eigenarten des Untersuchungsbereiches. Keine andere Methode liefert derart authentische Daten und Informationen. Sie eignet sich besonders für die Kombination mit anderen Methoden und liefert belastbare, umfangreiche Ergebnisse.

 

Quantitativ orientierte/standardisierte Beobachtungsstudien sind durch eine hochstrukturierte, theoriegeleitete und kontrollierte Wahrnehmung, Aufzeichnung und Auswertung gekennzeichnet. Die Voraussetzungen hierfür sind das Vorhandensein konkreter Leitfragen oder Hypothesen sowie umfassende Kenntnisse über das Beobachtungsfeld. Um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit und Repräsentativität zu erhalten, werden die Hypothesen/Leitfragen bis zur Ebene empirisch erfassbarer Indikatoren operationalisiert sowie ein Beobachtungsschema erstellt, das genau angibt, was und wie zu beobachten ist. Standardisierte Beobachtungen lassen sich hervorragend mit anderen Methoden kombinieren – besonders mit standardisierten Befragungen oder Fokusgruppendiskussionen.

Mit dieser Methode sind sogar Hypothesenüberprüfungen möglich, da die Daten einen hohen Grad an Quantifizierbarkeit, Kontrollierbarkeit und intersubjektiver Vergleichbarkeit haben. Wie bei der unstrukturierten Beobachtung liefert auch die standardisierte Beobachtung im höchsten Maße authentische Informationen über die Situation „wie sie wirklich ist“.